Elba · Windkunde
Welcher Wind,
welcher Strand
Ob ein Strandtag gelingt, hängt an Parkplatz, Schatten, Andrang und Preis — und an manchen Stränden am Wind. Derselbe Strand ist dann bei Nordwind glasklar und bei Südwind eine Algenwanne. Hier steht, welcher Wind welche Küste trifft — und wo die Rechnung nichts taugt.
Heute auf Elba
Modellwerte für Elba, Wasser und Welle für die offene See südlich der Insel — berechnet, nicht beobachtet. Die Karte unten startet auf dem Wind von heute. · Daten: Open-Meteo
Wind wählen — Küste ablesen
Tramontana
- Exponiert — hier rollt es an
- Nordküste
- Im Windschatten — hier ist Ruhe
- Südküste
- Windbahn (Fetch)
- —
- Was das heißt
- —
- Exponiert: Wellen, Treibgut, Algen
- Windschatten: ruhig, klares Wasser
- Streifend: kaum Einfluss
Die Regel dahinter
Ein Wind wird nach der Richtung benannt, aus der er kommt. Scirocco ist Südostwind, nicht Wind nach Südosten.
Die Küste, die dem Wind entgegenzeigt, ist die Luvküste: Dort läuft die Welle auf, dort landet Treibgut, dort schwemmt es die losgerissene Posidonia an. Die abgewandte Küste liegt im Lee — dort ist das Wasser still und klar.
Deshalb sind bei Elba nie alle Strände gleichzeitig gut oder schlecht. Bei jedem Wind gibt es eine Seite der Insel, an der es sich lohnt. Man muss nur wissen, welche.
Eine Bucht an der Südküste kann sich nach Südwesten öffnen und dann bei Libeccio leiden, obwohl der Ostro sie kaum stört. Wir tragen deshalb für jeden Strand die Regel einzeln ein — die Küstenseite ist nur die erste Näherung.
Warum Südwind schlimmer ist als Ostwind
Wellen brauchen Anlauf. Je länger die offene Wasserstrecke, über die ein Wind streichen kann — der Fetch —, desto höher die Welle und desto mehr Treibgut landet am Strand.
Und die ist um Elba herum sehr ungleich verteilt. Nach Osten liegt das italienische Festland nur rund zehn Kilometer entfernt. Nach Süden und Südwesten öffnet sich das Tyrrhenische Meer über hunderte Kilometer.
| Wind | Freie Strecke | Folge am Strand |
|---|---|---|
| Levante (O) Grecale (NO) ähnlich |
kurz — Festland bei Piombino | Kabbelige, kurze Welle. Unangenehm, aber selten zerstörerisch. |
| Scirocco (SO) Ostro (S) ähnlich |
sehr lang — offenes Tyrrhenisches Meer | Lange Dünung, massiver Algeneintrag. Südstrände werden zugeschwemmt. |
| Libeccio (SW) | lang | Kräftige Welle auf die Südwestseite. Der klassische Sturmwind. |
| Maestrale (NW) | lang | Der stärkste Wind der Region. Trifft Nord- und Westküste — trocken und klar, aber ruppig. |
| Tramontana (N) | mittel | Kalt und klar. Nordküste wird rau, Südküste bekommt Sichtweiten wie im Aquarium. |
Der Südstrand Felciaio liegt bei Scirocco und Ostro voll im Luv einer sehr langen Windbahn. Deshalb sind die Algen dort kein Schönheitsfehler, sondern ein Ausschlusskriterium — und deshalb ist das Wasser bei Tramontana glasklar.
Was wir bisher wissen
Felciaio
Meiden bei Süd und Südost. Dann wird der Strand mit Algen zugeschwemmt. Bei Nordwinden — Tramontana, Grecale, Maestrale — ist das Wasser klar. Die Rechnung bestätigt das: Die Bucht öffnet sich nach 201°, also nach Süden.
Selbst beobachtet, bestätigt.
Ortano
Die Bucht öffnet sich nach 84–99°, also nach Osten. Rechnerisch exponiert von Nordost bis Südost. Die kurze Windbahn nach Osten spricht dafür, dass es milder ausfällt als an der Südküste.
Hypothese aus der Küstenexposition, noch nicht überprüft. Wir tragen sie erst ein, wenn wir sie gesehen haben.
Remaiolo
Die Bucht öffnet sich nach 232–238°, also nach Südwesten. Rechnerisch exponiert von Süd über Südwest bis West — Libeccio-Verdacht.
Berechnete Verdachtslage, noch nicht beobachtet.
Istia
Die Bucht öffnet sich nach 23–27°, also nach Nordosten — das exakte Gegenstück zu Remaiolo, 30 Gehminuten entfernt. Bestätigt sich beides, wäre es ein Ausweich-Paar: Liegt der eine im Luv, liegt der andere im Lee.
Berechnete Verdachtslage, noch nicht beobachtet.
Ottonella & Bagnaia
Rechnerisch öffnen sich beide Buchten nach Westen (261–286° bzw. 271–277°) — aber hier liefert die Methode wenig: Im verschachtelten Golf von Portoferraio taugt die Küstennormale nicht als Verdachtslage. Vermutlich schützt die Golflage, geprüft ist nichts.
Genau die Grenze, die oben im Kleingedruckten steht. Beobachtung sticht.
Cavo & Frugoso
Cavo und Frugoso liegen nur wenige hundert Meter auseinander auf einer schmalen Landzunge — laut Armins „Cavo-Trick" liegen sie unterschiedlich zum Wind. Hier versagt die Methode auf eine andere Art als im Golf von Portoferraio: Auf so kurzer Distanz liefert die Rechnung für beide Buchten fast denselben Wert (grob 40–75°) statt zweier unterschiedlicher — sie kann die Landzunge schlicht nicht auflösen.
Bestätigt ist bislang nur das Wechselprinzip, nicht die Richtung. Beobachtung sticht.